Sri Lanka — Tag 1

Nach 20 Jahren ist es soweit. Ich besuche den Ort, an dem ich geboren wurde, meine Heimat, Sri Lanka!

So viel Zeit ist ver­gan­gen und die einzi­gen Kind­heit­serin­nerun­gen, die mir geblieben sind, sind der Duft und die vie­len Tiere, der rasende Verkehr, beherrscht von den herum­sausenden “Three-Wheels” umzin­gelt von Menschenmassen.

Im Kinde­salter von 5 Jahren ist es leicht, möglichst viele Ein­drücke aufzusaugen, doch sie zu verin­ner­lichen, ist schwer. Seit eini­gen Jahren schon träume ich davon, heimatlichen Boden unter den Füßen zu spüren. Mein Wun­sch  ist es, aus dem Flieger zu steigen, den Flughafen zu ver­lassen und anzukom­men, in eine Welt, die mir hof­fentlich nicht fremd ist. Manch einer wird dies für naiv hal­ten, das bin ich auch, ohne Frage. Umso ges­pan­nter bin ich, wohin mich dieses Aben­teuer führen wird.

Ankunft (Colombo, Negombo, Kurunegala)

Es ist der 11. April 2013. In drei Tagen habe ich Geburt­stag und diesen möchte ich dies­mal an einem ganz beson­deren Ort verbringen.

Mit Emi­rates geht es um 15:30 Uhr von Ham­burg nach Dubai. 6 Stun­den in Sitz­po­si­tion sind erst Mal genug. Knapp drei Stun­den Aufen­thalt soll­ten aus­re­ichend sein, um sich die Beine zu vertreten. Um 2:45 Uhr in der Früh geht es dann auch schon weiter zum lang erwarteten Ziel, nach Colombo, der Haupt­stadt Sri Lankas. Dank der Zeitver­schiebung ist es bei unserer Ankunft nun 8:45 Uhr. Von Jet­lag keine Spur, der Tag kann also voll und ganz aus­gekostet werden.

Nach einem kurzen und unkom­plizierten Check an der Passkon­trolle des Ban­daranaike Inter­na­tional Air­port geht es weiter Rich­tung Gepäck­aus­gabe. Natür­lich sind frei­willige Helfer nicht weit, die sich etwas dazu­ver­di­enen wollen, indem sie dir unge­fragt deine Kof­fer vom Lauf­band heben und auf einen Roll­wa­gen hieven.

Auf dem Weg nach draußen schlägt mir die Hitze mit­ten ins Gesicht. Spätestens jetzt wird mir bewusst, dass dieser Trip mit sehr viel Schweiß ver­bun­den sein wird wird.

In der Emp­fang­shalle wartet Ran­git, unser Guide schon auf uns. Wir wer­den sehr her­zlich emp­fan­gen und unserem Fahrer Rohan vorgestellt, der uns die näch­sten zwei Wochen begleiten wird. Da ich Run­dreisen bevorzuge, ist es mir wichtig, Men­schen an meiner Seite zu haben, die während der gesamten Fahrt dabei sind. Es passiert nicht sel­ten, dass sich dadurch Fre­und­schaften entwick­eln und du aus erster Hand wertvolle Details über jenes Land erfährst.

Unsere erste Sta­tion wird Kurune­gala sein. Auf dem Weg dor­thin besuchen wir in Negombo das zu Hause von Ran­git. Er möchte uns seiner Fam­i­lie vorstellen. Die ersten Erin­nerun­gen wer­den wach, als ich das Haus betrete. Eine große und mas­sive Wohnz­im­mer­ausstat­tung ist Pflicht. Und mit groß meine ich auch groß. Auf so einem Ses­sel haben locker 2–3 Leute Platz. Gewohnt, an die her­zliche Gast­fre­und­schaft, wie sie in Asien überwiegend präsent ist, bere­itet uns Ran­gits Frau ein köstliches tra­di­tionelles Gericht zu: Rice and Curry.

Gestärkt geht es mit dem Van weiter nach Kurune­gala. Die Fahrt ist lang und ich nutze die Aus­sicht, um die ersten Ein­drücke auf mich wirken zu lassen. Der Verkehr ist dicht und laut. Wir wer­den von unzäh­li­gen Three-Wheelers umkreist und überholt. Ran­git erzählt uns, dass diese Fahrer sehr rück­sicht­s­los den Verkehr für sich beanspruchen und wir ja nie in eins dieser Dinger ein­steigen sollen. Ich werde später noch erfahren, warum.

Mein Geburt­stag fällt dieses Jahr zufäl­liger­weise auf den kalen­darischen Neu­jahrstag Sri Lankas, so dass unge­wohnt wenig in der Stadt los ist. Die Ein­wohner bere­iten sich auf das Fest vor oder sind in den Tem­peln anzutr­e­f­fen. Es wird überall eines kleines Feuer­w­erk geben und der tra­di­tionelle Milchreis (Kiri Bath) gereicht.

Wir haben die Stadt nun hin­ter uns gelassen und es wird ländlicher. Sri Lanka ist eine sehr grüne und wuch­ernde Insel, die ihren Ein­wohn­ern mehr als genug Nahrungsmit­tel zur Ver­fü­gung stellen kann. Da es langsam zu däm­mern beginnt, kann ich von der weiten Natur lei­der nicht mehr all zu viel sehen. Die Straßen hier sind nicht unbe­d­ingt gut aus­geleuchtet, aber durch den dichten Verkehr, der auch zu später Stunde noch aktiv ist, geschieht dies von selbst.

Mit­tler­weile ist es dunkel gewor­den. Die erste Nacht ver­brin­gen wir in einem Guest­house namens “Ermelo Orchideen Vil­las”. Den Namen trägt diese Bleibe zurecht, da sie mit­ten in einem naturbe­lasse­nen Garten liegt. Die Fahrt dor­thin ähnelt einem Aus­flug in den Dschun­gel. Ein echter Insidertipp.

Während die Nacht here­in­bricht und draußen die Frösche und Grillen aktiv wer­den, lasse ich die ersten Ein­drücke auf mich wirken und falle vor­freudig auf den näch­sten Tag in einen tiefen Schlaf.